Interview mit Anette Lilje: „Wir brauchen diese Offenheit und diesen Impulsgeist des BNE-Festivals“

Steckbrief

Name Anette Lilje
Organisation und Bildungsbereich Eine Welt Netz NRW e.V., entwicklungspolitische Bildungsarbeit im schulischen und außerschulischen Kontext
Rolle in der Organisation Fachpromotorin Globales Lernen NRW
Haben Sie schon einmal an einem BNE-Festival NRW teilgenommen? Ja

Das Eine Welt Netz NRW ist der Zusammenschluss von Menschen und von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gruppen in Nordrhein-Westfalen, die sich für nachhaltige Entwicklung in globaler Verantwortung engagieren. Es setzt sich ein für weltoffene Politik, gerechten Interessenausgleich zwischen Nord und Süd, globalen Umweltschutz, Demokratisierung, kulturelle Vielfalt, Einhaltung der Menschenrechte, zivile Konfliktlösung und Frieden.

Frau Lilje, welche Rolle spielt BNE für Ihre Arbeit?

Eine ganz zentrale. Globales Lernen sehe ich als einen Teilbereich innerhalb der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Von daher fühle ich mich hier schon sehr zu Hause.

Was war ihre Motivation, am BNE-Festival NRW 2024 teilzunehmen?

Das ist eine tolle Gelegenheit, mit vielen Akteur:innen ins Gespräch zu kommen und die eigenen Angebote darzustellen, aber gleichzeitig auch Impulse einzuholen von anderen Anbietern. Im Rahmen eines Workshops und eines BNE-Labors habe ich zwei wunderbare Angebote kennengelernt. Das fand ich ganz inspirierend und da konnte ich auch gleich Bildungsmaterialien für meine Arbeit mitnehmen, die ich wiederum weitergeben kann. Das ist etwas sehr Konkretes. Total wichtig für mich war auch, als Eine Welt Netz NRW mit einem Stand auf dem Kreativmarkt sichtbar zu sein und mit anderen Akteur:innen ins Gespräch zu kommen. Da der Schwerpunkt meiner Arbeit auf außerschulischer Bildungsarbeit liegt, ist es für mich toll hier zu sein und viele Menschen aus dem außerschulischen Lernen treffen zu können.

Wie viel BNE-Erfahrung haben die Personen, die zu Ihrem Stand kommen?

Die überwiegende Mehrheit ist mit dem Themenfeld BNE vertraut. Die fragen eher speziellere Themen nach. Im Gespräch entwickeln sich aber auch Dinge, zum Beispiel Kooperationensmöglichkeiten. Den zweiten Tag des BNE-Festivals nutzten Schulen als Besuchs- und Exkursionstag, daher waren auch viele Jüngere am Stand. Da konnte man nochmal auf einer ganz anderen Ebene den einen oder anderen Impuls setzen, indem man die Interessierten für die Themen und Materialien begeistert.

Welche Impulse können Sie aus dem Festivalmotto „Demokratie. Gestalten. BNE“ mitnehmen?

Ich finde BNE und Globales Lernen sind per se demokratiefördernde Bildungsansätze. Mit diesem Motto wurde die Thematik noch etwas deutlicher. Das finde ich auch total wichtig und zeitgemäß. Gestern war ich in einem Vertiefungsworkshop zum Thema Konfliktbearbeitung beziehungsweise Gewaltfreie Kommunikation und wie wir eigentlich mit Krisen und Konflikten umgehen? Solche Impulse sind zum Beispiel eine wichtige Bereicherung. Das Zusammenkommen, die Diskurse, auch die BNE-Labore und die Freiräume, die man zum Netzwerken hat, sind per se demokratisch. Ich finde gut, dass das Thema so gesetzt wurde.

„Das Zusammenkommen, die Diskurse, auch die BNE-Labore und die Freiräume, die man zum Netzwerken hat, sind per se demokratisch. Ich finde gut, dass das Thema so gesetzt wurde.“

Was nehmen Sie außerdem vom BNE-Festival mit?

Tatsächlich habe ich ein konkretes Tool ausprobieren dürfen und ich konnte es auch gleich ausleihen. Ich werde das noch dieses Jahr einsetzen und dazu einen kleinen Workshop anbieten. Da schaue ich schon sehr gezielt, was ich für meine Bildungsarbeit nutzen kann.

Wie nehmen Sie die BNE-Community in NRW wahr?

Ich nehme eine ganz angenehme Atmosphäre, Offenheit und Austausch wahr, und gleichzeitig hat jede Person natürlich einen eigenen Hintergrund. Ich habe den Eindruck, dass gerade da, wo Menschen sowohl aus dem eher klassischen Bereich der Umweltbildung und der BNE als auch aus anderen sozialen Bereichen zusammenkommen, wieder neue Anknüpfungspunkte entstehen. Auch wenn man erstmal denkt, man kommt aus verschiedenen Themenfeldern, findet man ganz schnell den Weg, wo man merkt, eigentlich können wir uns gut vernetzen. Da ist immer auch ein Innovationsgeist bei der Netzwerkarbeit spürbar. Und das braucht es auch. Gerade wenn wir in Richtung Transformation gehen oder wie wir unsere Welt und unsere Gesellschaft gestalten wollen und wie wir Impulse setzen wollen. Wir brauchen diese Offenheit und diesen Impulsgeist des BNE-Festivals.

Haben Sie Verbesserungsideen für das BNE-Festival?

Was ich ganz wichtig finde, ist eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft. Außerdem ist mir die Südperspektive noch zu gering. Ich bin mir sicher, viele Menschen fühlen sich nicht angesprochen. Das aufzubrechen, finde ich ziemlich wichtig. Wichtig finde ich auch, dass Referierende aus verschiedenen Hintergründen auftreten. Daher habe ich mich z. Bsp. sehr über Varkey George gefreut, der per Video aus Südafrika zugeschaltet war.

Das Interview mit Annette Lilje wurde anlässlich des BNE-Festivals 2024 in Münster geführt.

 

Zurück zur Übersicht