Interview mit Klemens Gieles, Sophia Bünzow und Anke Ebel: „Wir hätten uns am liebsten zerteilt“

Steckbrief

Name Klemens Gieles, Sophia Bünzow, Anke Ebel
Organisation und Bildungsbereich Partnernetzwerk Kulturelle Bildung & Kulturpolitik der nationalen Plattform BNE
Rolle in der Organisation Ehrenamtlich engagiert
Haben Sie schon einmal an einem BNE-Festival NRW teilgenommen? Ja und nein

Das Partnernetzwerk Kulturelle Bildung & Kulturpolitik vereint seit 2013 mehr als 30 ehrenamtlich engagierte Mitglieder aus ganz Deutschland. Die Mitglieder des Partnernetzwerks kommen aus den Bereichen Kunst, Theater, Bildung, Philosophie, (Landschafts-)Architektur und Handwerk – aus Praxis, Wissenschaft, Kulturpolitik und Verbänden. Das gemeinsame Ziel ist es, durch die Verknüpfung von Nachhaltigkeit, Kultur, Natur und Bildung innovative Erfahrungsräume zu schaffen. Das Partnernetzwerk möchte Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft dazu ermutigen und befähigen, individuell und gemeinschaftlich für eine zukunftsfähige Gesellschaft aktiv zu werden. Hierfür braucht es innovative Bildungsformate und Praktiken, die beispielsweise durch Kulturelle Bildung im Einklang mit Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht werden.

Als erstes möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen.

Klemens Gieles: Mein Name ist Klemens Gieles …

Sophia Bünzow: … ich bin Sophia Bünzow …

Anke Ebel: … und ich Anke Ebel. Wir engagieren uns alle ehrenamtlich im Partnernetzwerk Kulturelle Bildung & Kulturpolitik der Nationalen Plattform BNE und wir vertreten auch das Partnernetzwerk auf dem Festival. Unser Netzwerk ist eins von neun Partnernetzwerken, die der nationalen Plattform BNE zuarbeiten, sie unterstützen und die Inhalte, die in der Nationalen Plattform  BNE erarbeitet werden, über unsere Mitglieder nach außen tragen. In unserem Partnernetzwerk sind über 40 Personen aktiv. Wir haben ein Kernteam von 15 Personen, die regelmäßig Treffen organisieren und in kleineren Arbeitsgruppen Projekte entwickeln sowie Forschung betreiben.

Haben Sie schon mal an einem BNE-Festival teilgenommen?

Klemens Gieles: Ich bin zum ersten Mal dabei …

Sophia Bünzow: … ich habe bisher auch an keinem BNE-Festival teilgenommen ...

Anke Ebel: … und ich kenne das Festival schon von Kindesbeinen an, also von Festival-Kindesbeinen an, denn ich habe vor vielen Jahren im BNE-Referat des NRW-Umweltministeriums gearbeitet. Damals hatten wir im Team überlegt, wie man BNE eine Plattform geben könnte und dann kam der Vorschlag, warum machen wir kein Festival? Das Festival war auch der erste Berührungspunkt, Kultur und BNE zusammenzubringen und deswegen freut es mich, dass sich das so entwickelt hat und das mittlerweile so viele Künstlerinnen und Künstler involviert sind. Früher lag der Fokus noch vor allem auf den Angeboten der Umweltbildung. Es ist toll, heute mit dem BNE-Partnernetzwerk Kulturelle Bildung dabei zu sein und ein eigenes BNE-Labor anbieten zu dürfen.

Welche Rolle spielt BNE für Ihre Arbeit?

Klemens Gieles: Das ist unser Ding. Wir wollen nichts anderes. Unser Ziel ist, die Kulturelle Bildung mit der BNE zu verschmelzen und zu schauen, wo Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten sind und daraus Ableitungen herzustellen, wie gute BNE-Projekte und wie gutes Lernen stattfinden kann.

Anke Ebel: Im Laufe unseres BNE-Labors stellte gerade eben ein Teilnehmer für sich fest, dass Kulturelle Bildung doch im Grunde BNE sei. Da ist sicher etwas Wahres dran und wir diskutieren häufig über derartige Definitionsansätze innerhalb unseres Netzwerks. Unstrittig ist, dass es ganz viele wertvolle Schnittmengen gibt.

Sophia Bünzow:  Im Kern geht es Kultureller Bildung um uns alle als Individuen und um die Welt.  die Frage: "Wie wollen wir leben?" ist dabei eine ganz zentrale, was letztendlich alles ganz, ganz eng mit BNE zusammenhängt.

„Das ist unser Ding. Wir wollen nichts anderes.“

Was ist Ihre Motivation für die Teilnahme am BNE-Festival NRW 2024?

Klemens Gieles: Unser Konzept mitzuteilen und auch Erkenntnisse zu gewinnen über unser Thema, das uns bewegt. Wie bringen wir Kulturelle Bildung und BNE gut zusammenpassen? Was sind die passenden Gelingensbedingungen, sodass Projektaktivitäten gut über die Runden gehen? Wir laden auch Interessierte in unser Partnernetzwerk ein und möchten damit auch unser Partnernetzwerk stärken und uns personell erweitern.

Anke Ebel: Wir haben mit dem Partnernetzwerk im Jahr 2020 einen Sammelband veröffentlicht, in dem es um wissenschaftliche Diskurse und Perspektiven ging, aber auch um einen Einblick in die Praxis. Wir haben damals bundesweit nach "Guter Praxis" gesucht, wobei wir in Nordrhein-Westfalen verhältnismäßig wenig fündig geworden sind. Deswegen ist es für uns jetzt toll, dass wir hier mit den Leuten in den Austausch kommen. Allein wenn wir über den Kreativmarkt gehen, sehen wir, wie viel Kulturelle Bildung in die BNE einfließt - und umgekehrt. Auch in unserem Workshop wurde von tollen Projekten berichtet!

Welche Impulse nehmen Sie vom Festival-Motto „Demokratie. Gestalten. BNE“ mit?

Klemens Gieles: Diese Themen sind uns geläufig und das sind jetzt für mich keine neuen Impulse, weil wir uns in den Gremien der Nationalen Plattform auch schon lange damit befassen. Wir haben sogar Gremienmitglieder, die Studien betreiben und betrieben haben. Von der Seite her sind wir da schon ganz gut aufgestellt.

Sophia Bünzow: Kulturelle Bildung hat auch immer wieder Schnittstellen zur politischen Bildung und BNE soiweso. Es ist irgendwie eins und damit gehört Demokratiebildung auch in der Kulturellen Bildung zum Grundbaustein.

Klemens Gieles: BNE ist auch Demokratiebildung. Es wird einfach immer darum gehen, über Demokratie einen Beteiligungsprozess zu initiieren. Das ist der Partizipationsgedanke der BNE, der dann am besten noch in Selbstwirksamkeit endet, damit die Leute merken, dass sie aktiv sind und sie etwas für die richtige Zielsetzung tun.

„Die Kurzreferate mit den Lightning Talks sind ein tolles Format, wo man sich ein bisschen ins Thema einklinken kann. Die Organisation finde ich auch perfekt und die Location gefällt mir sehr gut.“

Welche Themen, Formate oder Methoden haben Sie inspiriert?

Sophia Bünzow: Die Kurzreferate mit den Lightning Talks sind ein tolles Format, wo man sich ein bisschen ins Thema einklinken kann, aber nicht so tief einsteigt. Die Organisation finde ich auch perfekt und auch die Location gefällt mir sehr gut.

Anke Ebel: Ein dickes Lob an die Konsultationsgruppe, die das Programm hier zusammengestellt hat. Wir waren gestern hin und hergerissen. Wir hätten uns am liebsten zerteilt, weil die Angebote superspannend und sehr vielfältig sind. Die Workshops sind mittlerweile so ausgereift, dass man da wirklich etwas mitnimmt. Ich hoffe, dass beim nächsten BNE-Festival noch mehr Mitglieder unseres Netzwerkes teilhaben und dwir uns bestmöglich aufteilen können.

Klemens Gieles: Es ist auch wirklich toll, dass es diese Musik auf dem Festival gibt, mit den jungen Stimmen. Die Jugend ist gut beteiligt. Jetzt habe ich auch Schulklassen gesehen. Dann diese Möglichkeiten, sich in intensive Gespräche zu begeben, aus denen sich dann neue Kontakte ergeben. Und ich finde es auch ganz toll, dass sich das mit dem Festival-Du durchgesetzt hat.

Sophia Bünzow: Was fehlt ist die Vielfalt. Das ist tatsächlich eine Sache, die man verbessern kann, vielleicht mittels Kooperationen. Das fällt gerade nach dem Theaterstück von gestern Abend auf, bei dem es um Nord-Süd-Partnerschaften ging. Da ist noch ein Missstand, der behoben werden sollte.

Das Interview mit Klemens Gieles, Sophia Bünzow und Anke Ebel wurde anlässlich des BNE-Festivals 2024 in Münster geführt.

 

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