Projektstart: BNE auf dem Bauernhof

 Frank Griesel, Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wird immer wichtiger. Die Stadt Attendorn, das Schulamt und die gemeinnützige Unternehmergesellschaft Hof Belke gehen daher einen neuen Weg: Mit Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen machen sie allen Attendorner Grundschüler:innen ein monatliches Bildungsangebot.

Bildung für nachhaltige Entwicklung wird immer wichtiger. Die Stadt Attendorn und die gemeinnützige Unternehmergesellschaft Hof Belke haben daher einen besonderen Weg eingeschlagen: Sie bieten mit Unterstützung unserer Stiftung allen Attendorner Grundschüler:innen der zweiten Klasse ein monatliches Bildungsangebot. Diese erhalten die Möglichkeit in unterschiedlichen Bereichen des Hofes mitzuarbeiten, eigene Projekte zu planen und sich praktisch auszuprobieren. Sie können säen, ernten, Tiere versorgen, Lebensmittel verarbeiten und probieren. Dabei setzten sich die Kinder kreativ mit den Herausforderungen der landwirtschaftlichen Produktion, mit Fragen nachhaltiger Ernährung und dem Thema Konsum auseinander. Alle vier in Attendorn ansässigen Grundschulen sind Kooperationspartner des Projekts.

Die Hof Belke gUG fördert den Umwelt- und Naturschutz im Kontext einer Land- und Forstwirtschaft, die unter aktuellen Bedingungen die Menschen nachhaltig versorgen soll. Sie vermittelt Grundlagen und Erkenntnisse daraus, um aktuellen Problemen wie Klimawandel, Strukturwandel in der Landwirtschaft und der Entfremdung vieler Menschen von der Natur, insbesondere aber auch von der Land- und Forstwirtschaft zu begegnen. Ihre pädagogischen Tätigkeiten innerhalb der Erziehungs- und Volksbildung orientieren sich an den Qualitätskriterien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Darin fließen Bauernhof-, Wald- und tiergestützte Pädagogik ein. Diese dienen der Förderung sozialer Kompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie Kenntnissen und streben Gestaltungskompetenz an.

Bildungspartnerschaft

Auf Dauer setzen sich somit alle Attendorner Kinder mit Ernährung und Konsum sowohl in ihrer Heimat als auch im globalen Kontext an einem Ort der ursprünglichen Lebensmittelproduktion auseinander, reflektieren ihr eigenes Handeln und erkennen alternative Möglichkeiten. Intensive Naturkontakte mit viel Spaß und tollen Erlebnissen sind darin ein großes Anliegen. Durch das Projekt mit dem 2. Schuljahr wird die kontinuierliche professionelle Zusammenarbeit mit Implementierung im Schulprogramm gesichert. Viele Inhalte aus den Lehrplänen der 2. Jahrgangsstufe werden innerhalb des Hofjahres aufgegriffen und so Strukturen geschaffen, die für die Schulen keine zusätzliche Belastung bedeuten. Wilhelm Belke erklärt: „Wir nutzen die Landwirtschaft um mit den Kindern … die Welt ein bisschen besser zu machen als wir sie vorgefunden haben“ (Zitat von Lord Robert Baden-Powell, Begründer der Pfadfinderbewegung). Dazu kommt das Anliegen, das Projekt für die Kinder und ihre Elternhäuser kostenfrei zu gestalten.

Finanzielle Förderung

Das Projekt gelingt durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie, der Stadt Attendorn und vor allem der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen: „Solche Projekte sind enorm wichtig, um unsere Kinder für die Natur und Naturkreisläufe zu sensibilisieren aber auch um ihnen zu zeigen, wie Lebensmittel produziert werden und welche Herausforderungen es dabei gibt“, sagt Frank Griesel, Sprecher der Stiftung bei der Übergabe des Förderschecks in Höhe von knapp 57.000 Euro. Da das Projekt mit allen Grundschulen aus Attendorn umgesetzt werden soll, hat es eine enorme Breitenwirkung und Modellcharakter.

Auch die Olper Schulamtsdirektorin Frau Halbe freut sich: „Das Besondere an diesem Projekt ist aus meiner schulfachlichen Perspektive, dass die Schülerinnen und Schüler eigenaktiv handeln können und durch dieses eigene Handeln Selbstwirksamkeit erfahren und damit für ihre Zukunft gestärkt werden. So gelingt Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Schlüssel ist die Eigenaktivität gepaart mit der hervorragenden Struktur, die Sie vor Ort mit allen Kooperationspartnern geschaffen haben.“ Innerhalb dieses Schuljahres mit seinen immer wiederkehrenden Hoftagen und der engen Verzahnung mit dem schulischen Unterricht erfahren die Kinder durch die eigene Mitarbeit, wie viel Arbeit und Ressourcen in unseren Lebensmitteln stecken. Zudem lernen sie viele Möglichkeiten einer nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln kennen.

Sigrid Sundermann von der Ennester Grundschule berichtet: „Wenn unsere Schülerinnen und Schüler von „ihrem Hoftag“ zurückkehren und wir in fröhliche Gesichter blicken, wissen wir, dass die Kinder viele Eindrücke gesammelt haben, an die sie sich auch nach ihrer Schulzeit immer erinnern werden. Wir sind sicher, dass sie das, was sie auf dem Hof lernen, insbesondere in puncto Nachhaltigkeit, prägt und ihr späteres Konsumverhalten positiv beeinflussen wird.“

Pädagogische Förderung

Claudia Belke ist sehr wichtig: „Neben der ganzheitlichen Förderung der Kinder, die ganz nebenbei ihr Wissen und ihre Sozialkompetenzen enorm erweitern, ist uns und unseren Kolleginnen am Hof wichtig, dass jedes Kind seine Stärken entdeckt und sich ausprobieren kann. Sie bringen eigene Ideen ein um Konflikte und Probleme zu lösen, die sich auf dem Hof ergeben und probieren Lösungswege aus. Dabei helfen alle mit – Teamgeist ist auf einem Familienbetrieb ganz wichtig! So lernen sie miteinander kreativ an Probleme heranzugehen, mehrere Perspektiven einzunehmen und trauen sich Lösungsideen auszuprobieren. Ganz nebenbei lernen sie eine Menge über die Natur und ihre Kreisläufe und vor allem, dass wir ihre Kreisläufe einhalten müssen, wollen wir auch morgen und übermorgen noch Lebensmittel produzieren.“

Angesichts der aktuellen Weltlage, die Krisen mit sich bringt, welche auch die Kinder extrem beeinflussen, bringt es Wiebke Lösenbeck-Schulte, Schulleiterin der Attandarraschule mit einem Zitat des Dalai Lama auf den Punkt: „Wie wollen wir Frieden in der Welt schaffen, wenn wir uns nicht einmal bemühen, die Natur zu achten?“ Sie meint: „Je eher Kinder sich damit auseinanderzusetzen, welche Bedeutung die Natur für uns Menschen hat, woher unser Essen kommt und wie wichtig ein achtsamer Umgang mit den Ressourcen ist, desto besser. Da kommt das „Bauernhof-Projekt“ zur richtigen Zeit!“

Diese SDGs werden unterstützt:

Offizielles SDG-Icon für SDG 04: Hochwertige BildungSDG 04: Hochwertige Bildung
Offizielles SDG-Icon für SDG 11: Nachhaltige Städte und GemeindenSDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden
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